Cab-Forward beschreibt eine Konzeptphilosophie der Karosserie, bei der die Fahrgastzelle und insbesondere der Fuß der Windschutzscheibe deutlich nach vorn verlagert werden, sodass sie näher an die Vorderräder heranrückt oder teilweise über ihnen sitzt. Der Ansatz löst einen klassischen Zielkonflikt der Fahrzeuggestaltung: Wie lässt sich bei gegebener Gesamtlänge ein möglichst großzügiger Innenraum schaffen und der Karosserie zugleich ein satter, kraftvoller Stand verleihen? Indem die Zelle nach außen gestreckt wird, statt tiefe Überhänge an den Stoßfängern stehen zu lassen, gewinnen die Gestalter Raum zurück, der sonst ungenutztes Blech wäre.
Der Effekt entsteht im Wesentlichen über die Radstandsgeometrie. Die Räder werden in die äußersten Ecken des Fahrzeugs gerückt, was den Abstand zwischen den Achsen vergrößert, während die Überhänge vorn und hinten kurz bleiben. Die Windschutzscheibe wird stärker geneigt und die A-Säulen wandern weiter nach vorn als üblich, wodurch Armaturentafel und Windlauf mitgezogen werden. Da das Volumen der Zelle nicht durch den Motorraum, sondern durch die Radpositionen begrenzt wird, ergibt sich ein langer Fahrgastkasten, der von kurzer Schnauze und kurzem Heck eingerahmt wird. Dafür müssen Vorderachse, Lenkung und Motoraufhängung sorgfältig und kompakt untergebracht werden, um den Innenraum freizuspielen.
Für die Insassen ist der Gewinn spürbar: mehr Knieraum, ein luftigeres Raumgefühl vorn wie hinten und ein ebenerer Boden, ohne dass Grundfläche oder Leergewicht des Fahrzeugs nennenswert wachsen. Der lange Radstand verbessert zudem tendenziell den Fahrkomfort und die Stabilität bei hohem Tempo, während die kurzen Überhänge die Proportionen schärfen und der Agilität zugutekommen können. Optisch wirkt das Auto niedrig, breit und selbstbewusst auf seine Räder gestellt, ein Look, den Designer schätzen.
Am stärksten wird der Begriff mit Chrysler verbunden, das Cab-Forward zum Markenzeichen seiner Limousinen der 1990er-Jahre machte, etwa Intrepid, Concorde, den Modellen der LH-Plattform und später dem 300M. Ihre stark geneigten Scheiben und stummeligen Schnauzen wurden zu einem unverkennbaren Hausstil und beeinflussten das ganze Jahrzehnt über die Konkurrenz. Das zugrunde liegende Prinzip ist jedoch älter als das Schlagwort und findet sich in viel früheren raumeffizienten Anordnungen sowie in vielen modernen Frontantriebsplattformen.
Es gibt Zielkonflikte. Die nach vorn gezogene Scheibe verlängert die Armaturentafel und die Reichweite bis zu ihrem Fuß, was die Unterbringung von Heizung und Lüftung erschweren und eine riesige, tiefe Fläche auf der Tafeloberseite hinterlassen kann, die sich in der Sonne aufheizt. Weit vorn stehende A-Säulen können in Verbindung mit der steilen Verglasung an Kreuzungen tote Winkel erzeugen. Auch die Crashstruktur muss sorgfältig ausgelegt werden, weil der kurze Frontüberhang weniger Verformungsweg vor der Zelle bietet.
Cab-Forward versteht man am besten im Zusammenhang mit verwandten Struktur- und Stilkonzepten. Es setzt eine selbsttragende Bauweise voraus, um die lange, steife Fahrgastzelle praktikabel zu machen, nutzt über die geneigte Verglasung die Aerodynamik und wird mitbestimmt durch die Lage von A-Säule und Karosserieanbindungspunkten im Gesamtpaket.
- Fahrgastzelle und Windschutzscheibe weit nach vorn über die Vorderräder gezogen
- Räder in die Ecken gerückt für einen langen Radstand
- Maximiert den Innenraum innerhalb der Grundfläche
- Von Chrysler in den 1990er-Jahren populär gemacht